Geschwisterstreit: Hilfe, meine Kinder streiten ständig!

Geschwisterstreit kann Eltern unheimlich nerven. Familiencoach Heike Podek verrät, warum es wichtig ist, dass Kinder streiten.

Das ist meines, nein meines … Auf der Rückbank des Autos spielt sich ein heftiger Geschwisterstreit ab, während ich versuche den Wagen ruhig durch den Stau zu lenken. Ampel rot, Ampel grün, Auto von rechts –  in konzentriere mich auf das Geschehen auf der Straße. “Nicht einmischen, sagen die Experten”, denke ich verbissen. Mein Kiefer verkrampft sich. Wut steigt in mir hoch. Ganz ehrlich, als wäre ein Stau nicht ärgerlich genug, machen die Kinder die Sache noch schlimmer mit ihrem Geschrei.

Beim nächsten Stop drehe ich mich um und lasse einen Brüller los. OK, pädagogisch wertvoll war das jetzt nicht. Aber unheimlich befreiend. Plötzlich ist mein Ärger verraucht. Zwei erschrockene Kindergesichter lassen ihn mich sogar umgehend vergessen. Ach, war das jetzt wirklich notwendig, schimpfe ich mit mir selbst, während ich auf betont fröhlich-freundlich mache. “Wollt Ihr eine Kinder-CD hören? Oder Musik?” frage ich nach hinten. Und ernte nichts als erbittertes Schweigen. Das kenne ich schon: Wenn ich mich einmenge und ihrem Streit ein Ende setze, ist das die übliche Reaktion. Dann halten meine Racker nämlich zusammen wie Pech und Schwefel. Keine Spur mehr von Geschwisterstreit. Na ja, kein Wunder, jetzt bin ja ich “der Feind” ;-).

Junge Kinder können mit Konfliktsituationen noch nicht umgehen: Geschwisterstreit

Geschwisterstreit: Warum Kinder streiten

  • Zunächst weil sich Kinder ihren Platz innerhalb der Familie sichern wollen. Jedes Familienmitglied hat seinen festen Platz im Familiensystem, in der Reihenfolge des Ankommens: Als erstes die Eltern, anschließend die Kinder dem Alter nach. Daraus ergibt sich für jeden sein Platz mit den speziellen Rechten und Pflichten, erklärt Familiencoach Heike Podek. Eltern halten diese Ordnung oft nicht ein, v.a. wenn die Kinder ein ähnliches Alter und/oder das gleiche Geschlecht haben. Dann wollen Eltern gerecht sein, kaufen dieselben Geschenke, erlauben gleiche Fernsehen- und Computerzeiten und Schlafenszeiten. Das stört die natürliche Ordnung, Geschwisterstreit ist die Folge, weil Kinder die Rangordnung unter sich klären müssen. Hilfreich:  Unterschiede zwischen den Kindern machen und Erstgeborenen mehr Rechte einräumen (Hier findet Ihr Heikes Tipps zum “Loslassen” der Kinder).
  • Auch Familienmitglieder wollen ihre Ziele durchsetzen. Widerstand der anderen ist normal. Durch Konflikte und die emotionale Intensität werden eigene Bedürfnisse und Grenzen deutlich gemacht. Gerade unter Geschwistern  passiert das ständig, da sie eng zusammenleben. Ein permanent harmonisches Familienleben ist nicht realistisch und kann von den Kindern nicht erwartet werden (Heike über Strafen hier KLICK). Die Geschwisterbeziehung bietet Möglichkeiten Beziehungserfahrung mit einem anderen Menschen zu machen.
  • Bis zum 4. Lebensjahr und vielfach danach sind Kinder in Streitsituationen überfordert. Die Sprachfähigkeit ist noch nicht ausgereift und so kommt in Konfliktsituationen oft zu körperlichen Auseinandersetzungen. Eltern erwarten sie von ihren Kindern: Die Lösung des Problems soll ruhig im Gespräch erfolgen. Das können Kids aber nicht, so Podek.

Fotos: pixabay.com

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