Familie: 10 Tipps für ein harmonisches Miteinander

Herausfordernde Zeiten für die Familie! Familiencoach Heike Podek, Beziehungsorientiert, hat 10 Tipps für mehr Harmonie und eine erfolgreiche Alltagsplanung in der Coronakrise. 

Heike Podek, Coach in Erziehungsfragen

Nun leben wir schon seit einigen Wochen im „Ausnahmezustand“ und auch wenn sich in Zukunft die Einschränkungen zu lockern beginnen, führen wir doch noch immer ein Leben, das nicht mal im Ansatz dem vor der Coronakrise gleicht, ist Familiencoach Mag. Heike Podek überzeugt (Hier stellt sich Heike Podek auf familienschatz vor).

Neben der Umstellung auf Homeoffice, müssen Eltern nebenbei auch noch ihre Kinder selbst betreuen, auch ohne die Unterstützung der Großeltern. Zusätzlich wollen Kleine beschäftigt und die Großen müssen „beschult“ werden. Aufgrund der Schließung von Spielplätzen, Parks und Freitzeitmöglichkeiten, hocken die Familienmitglieder auf „engem“ Raum zusammen. Streitigkeiten und Konflikte sind unter diesen Bedingungen keine Seltenheit und Möglichkeiten für einzelne Familienmitglieder „Auszeiten“ zu finden, eher schwierig. Die Expertin hat 10 Tipps für Dich und Deine Familie, wie Ihr diese besondere Situation meisterst (Mehr von Heike auf familienschatz.at: Geschwisterstreit, Co-Parenting, Strafen, Empathie)

10 Tipps für die Alltagsplanung in der Familie

  1. Finde eine Tagesstruktur für Dich und Deine Familie: Strukturen und Routinen, die jeden Tag gleich sind, helfen und dabei, ein Stück weit Normalität zu erhalten. Deshalb strukturiere Deinen Tag durch tägliche Mahlzeiten, Arbeits-, Lern- und Spielzeiten, Zeit für die Hausarbeit und freie Zeit, in denen jeder ein Stück weit das machen kann, was er möchte.Wenn Du Dich gerade im Homeoffice befindest, dann lege Dir unbedingt auch „fixe“ Arbeitszeiten fest, weil es sonst leicht passieren kann, dass du den ganzen Tag immer „nebenbei“ arbeitest und das führt zu Stress und Unzufriedenheit.
  2. Setze Dir täglich ein „kleines“ Ziel: Mach Dir einen Plan, auf dem Du alle Dinge aufschreibst, die Du machen musst (Arbeit) oder gerne tun würdest. Das können auch Dinge sein, die Du schon lange machen wolltest, aber wofür bislang einfach nicht die Zeit da war.
    Und dann nimm Dir für jeden Tag eines dieser Ziele vor und setze es um. So hast Du auf der einen Seite das Gefühl, die Zeit gerade sinnvoll zu nutzen und zum anderen schaffst Du auch damit eine Struktur, die Dich davor bewahrt, Dich der Situation ohnmächtig ausgeliefert zu fühlen.
  3. Absprachen über den Tagesablauf: Besprich mit Deiner Familie unbedingt den Tagesablauf – das ist in dieser Zeit noch wichtiger als sonst, weil Du auf diese Weise Klarheit und Orientierung für alle schaffst. Klärt ab, wer am jeweiligen Tag für was zuständig ist, sprich: Wer arbeitet von wann bis wann, wer kümmert sich um die Kinder, wer kocht, wer geht mit dem Hund Gassi etc. Und erkläre noch mehr als sonst, was als nächstes passiert. Sage also z.B. Deinen Kindern. „Ich setze mich jetzt an den Schreibtisch und arbeite eine Stunde. Danach hab ich Zeit mit euch im Garten zu spielen“ anstatt zu erwarten, dass sie sobald Du am Tisch sitzt von sich aus erkennen, dass Du jetzt arbeiten musst.
  4. Hausarbeit: Triff auch beim Punkt Hausarbeit klare Absprachen mit Deiner Familie und teil die Hausarbeit unter den Familienmitgliedern auf. Bezieh auch Deine Kinder ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechend mit ein. Kinder wollen einen Beitrag zur Gemeinschaft leisten – nutze diese Motivation und frag Deine Kinder, welche Aufgabe sie gerne übernehmen möchten. Das kannst Du bei kleinen Kindern täglich machen, bei größeren Kindern wöchentlich festlegen.
  5. Heimunterricht der Kinder: Vereinbare fixe Lernzeiten mit Deinen Kindern und passe sie, wenn möglich an Deine Homeoffice-Zeit an. Sei Dir aber bitte auch bewusst, dass jetzt nicht von Dir verlangt wird, „Ersatz“ – Leherer/In zu spielen. Erledige also nur die Aufgaben mit Deinem Kind, die es von sich aus und mit guter Energie schafft. Es gibt in dieser Zeit wirklich Wichtigeres als Machtkämpfe ums Lernen und die Schule auszutragen. Wenn Dein Kind sich also massiv gegen das schulische Lernen wehrt, dann probier doch einfach mal was anderes aus. Kocht gemeinsam, geht in die Natur, schaut Euch ein Buch über ein interessantes Thema an oder sprecht einfach gemeinsam über die Dinge, die Dein Kind gerade interessieren. Und sei Dir sicher: Das ist teilweise ein Lernen, was viel wichtiger ist, als was Lehrinhalte vermitteln.
  6. Beschäftigung und Langeweile von Kindern: Im Internet werden gerade tausende von Bastel-, Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder angeboten, von denen Du Dich natürlich inspirieren lassen kannst. Tu das aber bitte nur, wenn es Dir auch wirklich Freude und Spaß macht. Du musst gerade nicht gegen deinen Willen zur/zum AnimateurIn deiner Kinder werden und sie von morgens bis abends beschäftigen. Und sollten sich Deine Kinder beschweren, dass ihnen langweilig ist, dann beglückwünsche sie dazu und lass Dich überraschen, was Deinem Kind einfällt, um die Langeweile zu bezwingen. Klingt komisch??? Ist es aber nicht, denn der Zustand von Langeweile lässt sich in der Regel nicht viel länger als 20 Minuten aushalten. Danach sucht das Gehirn nach Beschäftigung und beginnt von innen (intrinsische Motivation) kreativ zu werden.
  7. Digitale MedienWenn du bislang fixe Medienzeiten für deine Kinder hattest, lockere sie ruhig auf, aber behalte trotzdem eine gewisse Struktur bei und erkläre deinen Kindern auch, dass es derzeit eine besondere Situation ist, die dazu führt, dass es auch besondere Ausnahmen gibt. (Sonst fällt es nach der Krise besonders schwer, wieder in den gewohnten Rhythmus überzugehen. Darüber hinaus glaube ich, dass es wichtig ist, diese Zeit trotzdem nicht als Freifahrtschein für eine unbegrenzten Medienkonsum zu betrachten. Wer sich bereits mit dem Thema Medien auseinandergesetzt hat weiß um die „schädliche“ Wirkung und deshalb glaube ich, dass wir einfach einen bewussten Umgang mit Medien nutzen sollten.
  8. Konflikte klären: 24 Stunden miteinander zu verbringen, bringt unweigerlich Konflikte mit sich. Oft reicht ein Satz aus und der Streit eskaliert. In diesen Situationen heißt es jetzt noch mehr als sonst, Ruhe zu bewahren. Reagier nicht sofort, sondern verlass vielleicht den Raum, atme ein paarmal tief ein und aus oder hol dir ein Glas Wasser, um ein bisschen abzukühlen. Anschließend setzt euch zusammen und klärt die Situation miteinander. Welche Bedürfnisse sind miteinander kollidiert und haben zu Streit geführt und wie könnt ihr die Situation jetzt gemeinsam lösen. Versuch hier wirklich gemeinsam mit deinen Kindern konkrete Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten, die ihr beim nächsten Konflikt dann auch umsetzen könnt. So schaukelt sich eine „kleine“ Situation nicht unnötig in die Höhe, sondern kann frühzeitig abgefedert werden.
  9. Bedürfnisse besprechen und Konflikten vorbeugen: Führe einen „Familienrat“ ein, indem sich alle Familienmitglieder zusammensetzen und besprechen, was gut läuft und was nicht gut läuft und findet gemeinsam für die vorhandenen Schwierigkeiten Lösungen, damit die Bedürfnisse aller Familienmitglieder berücksichtigt und befriedigt werden können.
  10. Sei zärtlich zu dir und deinen Kindern: Es ist eine Ausnahmesituation und niemand erwartet von dir oder deinen Kindern 100%ige Leistung. Teil dir deine Kräfte gut ein, denn vermutlich wird es ein Marathonlauf und kein Sprint.

Foto: pixabay.com, beigestellt

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