Unfruchtbarkeit und Stress - Was weiß man darüber?

Unfruchtbarkeit uns Stress: In welchem Ausmaß das miteinander verkettet ist, darüber wurde schon viel spekuliert. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass „emotionaler Stress“ tatsächlich von vielen als Grund für Infertilität gesehen wird.

Stresslevel und Schwangerschaft

Untersuchung von unfruchtbaren Paaren

Unfruchtbarkeit und Stress – Über dieses Thema wird bereits quer durch die Jahrhunderte diskutiert. Eine jüngste Analyse von mehr als 5.000 unfruchtbaren Paaren zeigt die Meinung der Betroffenen. Demzufolge sehen fast alle, nämlich 98 Prozent, emotionalen Stress entweder als Ursache oder zusätzlichen Faktor für ihre Infertilität an. Fast ein Drittel glaubt sogar, dass dies der Grund für Fehlgeburten ist. Das teilt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) mit.

Wer kennt nicht aus seinem Umfeld solche Geschichten: Ein junges Paar wartet jahrelang sehnsüchtig auf Nachwuchs. Als sie sich endlich zu einer Adoption entschließen, wird die Frau nach ein paar Monaten problemlos schwanger.

Unfruchtbarkeit und Stress: Sport, Traumata

Ein hoher Stresslevel kann natürlich zu einem Ausbleiben der Periode von Frauen im gebärfähigen Alter führen. Der Stress-Einfluss auf den weiblichen Zyklus zeigt sich z.B. sehr gut bei der so genannten funktionellen hypothalamischen Amenorrhoe von Athletinnen. Auch die Diagnose einer schweren Erkrankung kann Kinderlosigkeit begünstigen. Fällt der Stress weg, setzt die Monatsblutung wieder ein, heißt es bei der DGE.

Mögliche Gründe für Unfruchtbarkeit durch Stress

exzessives Training

mentale Traumata

• Diagnose von Krebs und anderen schweren Erkrankungen

• verminderte Libido bei Männern

verminderte Spermienqualität

Thema seit Hippokrates

Doch endgültig bewiesen ist der Zusammenhang von Unfruchtbarkeit und Stress noch immer nicht: Einige Studien untermauern einen Zusammenhang, andere wieder nicht. Jedenfalls gibt es Quellen, die zeigen, dass dieses Thema bereits in vorchristlicher Zeit gelehrte Köpfe beschäftigt hat.

Schon Hippokrates beobachtete im 5. Jhdt. v.Chr. einen Zusammenhang zwischen dem psychologischen Zustand einer Frau und ihrer Reproduktionsfähigkeit. Er nahm an, dass bei Frauen als körperlicher Ausdruck von psychischem Stress Sterilität resultiere. Seine Schüler nannten einen derartigen Zustand „Hysterie“ (nach dem altgriechischen Ausdruck für Gebärmutter). Im Mittelalter sah Hildegard von Bingen Unfruchtbarkeit überdies als Folge von Melancholie; heute würde man dafür den Ausdruck „Depression“ verwenden.

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