Baby wird gestreichelt

Streicheln im Fokus der Wissenschaft

Streicheln wirkt – das wissen wir alle. Eine Studie untersucht nun bei Frühgeborenen ab wann Streicheln gegen Stress wirkt. Das gibt auch Aufschluss über die Entwicklung des menschlichen Nervensystems.

Streichel-Studie “PreTouch”

Streicheln gegen Stress

Im Rahmen der PreTouch-Studie erhoffen sich Wissenschaftler mehr Erkenntnisse darüber, zu welchem Zeitpunkt wichtige Bestandteile unseres Nervensystems vollständig ausgebildet sind. Möglicherweise kann in diesem Zusammenhang eine Methode entwickelt werden, die Frühchen beim Stressabbau hilft.

Es ist kein Geheimnis, dass bereits bei Neugeborenen Körperkontakt bzw. Streicheln beruhigt. Die Voraussetzung dafür ist, dass die so genannten C-taktilen Nervenfasern bei den neuen Erdenbürgern bereits funktionsfähig sind. Doch ab welchem Gestationsalter – also der Entwicklungsspanne eines Menschen vor der eigentlichen Geburt – sie komplett ausgereift sind, ist bisher unbekannt.

Tätscheln oder Streicheln?

Um das zu ergründen, führen Forschende eine länderübergreifende Studie bei rund 80 Frühgeborenen durch. „Während die Eltern ihre Babys im Krankenhaus streicheln, beobachten wir Herzrhythmus und Sauerstoffsättigung der kleinen Probandinnen und Probanden“, sagt Prof. Dr. Ilona Croy, die das Projekt an der Universität Jena leitet „Um die Reaktion des Körpers bei einer Vergleichsberührung zu beobachten, die nicht von den C-taktilen Nervenfasern aufgenommen wird, tätscheln Mutter oder Vater die Kinder in regelmäßigen Abständen.“ Die Babys werden von den Untersuchungen nicht gestört – und die Eltern nehmen sie meist als willkommene Abwechslung vom Klinikalltag wahr.

Streicheleinheiten fürs Baby

Wirkung auf Herzschlag

„Die evolutionär sehr alten C-taktilen Nervenfasern reagieren auf zwischenmenschliche Berührung, wie sie beim Streicheln vorkommt“, sagt Prof Croy. Gerade dieser sanfte Kontakt hat einen positiven Effekt auf den Körper: Er fühlt sich nicht nur angenehm an, sondern baut auch Stress ab.

Streicheln aktiviert den Parasympathikus – also den Teil unseres Nervensystems, der uns in den Entspannungszustand bringt“, erklärt die Expertin. „Es verlangsamt beispielsweise den Herzschlag und erhöht die Herzratenvariabilität, also die Zeit der Abstände zwischen den einzelnen Herzschlägen.  Die sind nämlich bei einem gesunden Herzen nicht absolut gleichmäßig, sondern mit minimalen Abweichungen.“

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Fotos: (c) Anne Günther/Uni Jena, pexels.com, pixabay.com