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Bakterien wichtig bei Kinderwunsch

In der Fruchtbarkeitsbehandlung gibt es nun in Österreich einen neuen Mikrobiom-Test. Die Bakterien in der Gebärmutter spielen nämlich eine große Rolle bei der Einnistung der Eizelle. 

Die Bestimmung des Mikrobioms der Gebärmutter ist wesentlich bei Kinderwunsch und besonders wichtig für Frauen, die Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden. Was hat es nun mit dem Mikrobiom auf sich? Ein Mikrobiom ist eine Ansammlung von Mikroorganismen, etwa im Darm, auf der Haut, in der Vagina oder im Rachen. Mehrheitlich handelt es sich dabei um Bakterien. Ein ausgewogenes Zusammenspiel der Mikroorganismen in unserem Körper ist wichtig für unsere Gesundheit – und auch bei Kinderwunsch.

Bakterien

Kinderwunsch: Es kann an den falschen Bakterien scheitern.

Kinderwunsch und Keime

In der jüngeren Vergangenheit haben sich zahlreiche Studien mit Funktion und Auswirkung der Mikroorganismen im menschlichen Körper befasst. Bislang war vor allem das Mikrobiom des Darm in der Öffentlichkeit ein Thema. Zwischenzeitlich ist das Mikrobiom der Scheide in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Neu ist die Erkenntnis, dass auch die Gebärmutter wichtige Bakterien enthält, die einen großen Einfluss auf die Fruchtbarkeit der Frau haben. Erstmals besteht nun in Österreich die Möglichkeit für derartige Tests und abgestimmte Therapien.

„Wir wissen zwar seit einiger Zeit um die Bedeutung der Keime für die Einnistung der Eizelle im Uterus. Aber geeignete Tests gab es keine“, berichtet Univ. Prof. Andreas Obruca, Gründer und Leiter des Wiener Kinderwunsch-Zentrums Goldenes Kreuz. Erstmals ist nun in Österreich ein Verfahren verfügbar, um das Mikrobiom in der Gebärmutterschleimhaut zu testen und entsprechend zu therapieren.

Keime

Mit einem Test können Keime in der Gebärmutter analysiert werden.

Keime mit massivem Einfluss auf Schwangerschaft

Der so genannte „EMMA-Test“ (Endometrial Microbiome Metagenomic Analysis) wurde unter der Mitwirkung des Mediziners Prof. Carlos Simon in Spanien entwickelt. In diesem Zusammenhang wurde das Mikrobiom des Uterus erstmals systematisch untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass das Mikrobiom bei den meisten untersuchten Frauen zu über 90 Prozent aus Laktobazillen bestand. Das Auftreten anderer Keime oder ein relativer Mangel an Laktobazillen können demnach die Fruchtbarkeit deutlich reduzieren – was bei Kinderwunsch wichtig zu wissen ist.

Waren reichlich Laktobazillen vorhanden, gelang die Einnistung des Embryos zu rund 60 Prozent. Die Schwangerschaftsrate verringerte sich jedoch bei einem Mangel an Laktobazillen von etwa 70 Prozent auf etwas weniger als die Hälfte und der Anteil von Lebendgeburten ging von 59 auf knapp sieben Prozent zurück. Ein amerikanisches Projekt hat darüber hinaus den Einfluss des Mikrobioms auf die Fruchtbarkeit untermauert.

Kinderwunsch

Warten auf das Baby: auch beim Mann spielt das Mikrobiom eine Rolle.

Neue Behandlungsmöglichkeiten in der Fertilitätsmedizin

„Vor der künstlichen Befruchtung können wir nun das Mikrobiom untersuchen – dies ist gerade bei Frauen mit wiederholten Einnistungsproblem eine neue Chance“, erklärt Obruca. Die Tests helfen somit chronische Entzündungen in der Gebärmutter oder eine unvorteilhafte Zusammensetzung des Mikrobioms festzustellen. Dazu wird eine kleine Gewebsprobe aus der Gebärmutterschleimaut entnommen und mittels genetischer Testung die Zusammensetzung und Art der Bakterien bestimmt. „Je nach Ergebnis legen wir eine individuelle Therapie, zum Beispiel mit Laktobazillen oder Antibiotika fest“, so der Fertilitätsmediziner.

Doch auch beim Partner kann inzwischen getestet werden: Ein neues Verfahren ermöglicht die Bestimmung des Mikrobioms in der Samenflüssigkeit des Mannes. Dies eröffnet die Möglichkeit eine Therapie zur Verbesserung der Samenqualität einzuleiten sowie eine (allfällige neuerliche) Ansteckung der Partnerin mit einer Infektion zu vermeiden.

 

Foto©: pixabay.com

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