Babypflege: „Man muss nicht perfekt sein, um etwas zu bewegen“ – zwei Väter erzählen, wie sie mit Naïf die Welt der Babykosmetik verändert haben.
Jochem Hes und Sjoerd Trompetter waren gerade frisch Vater geworden, als sie beschlossen, eine eigene Pflegemarke zu gründen. Ausgerechnet in einer Lebensphase, in der Schlafmangel und Unsicherheit ohnehin zum Alltag gehören. Doch genau das wurde ihr Antrieb. Im Gespräch mit familienschatz.at berichten sie, warum.
Vom Windelchaos zur Geschäftsidee – wie kam das? Was war ausschlaggebend für die Gründung eurer Pflegemarke?
Sjoerd: Wir waren beide zum ersten Mal Väter, unsere Kinder waren noch ganz klein und plötzlich standen wir mitten im Dschungel aus Babyprodukten. Wir suchten nach Pflege, die wir mit gutem Gefühl benutzen konnten: sanft zur empfindlichen Haut und frei von schädlichen Stoffen. Aber was wir oft fanden, waren Produkte mit endlosen Inhaltsstofflisten, zweifelhaften Zusätzen oder unnötigem Schnickschnack.
Jochem: Wir wollten etwas, das wirklich zu unseren Werten passte. Irgendwann haben wir gesagt: Wenn es das, was wir suchen, nicht gibt, dann machen wir es eben selbst. Unsere Kinder waren der Grund, warum wir angefangen haben, und sind bis heute der Kern von Naïf.
Ihr habt sozusagen den Sprung ins Unbekannte gewagt … Ihr wart ja keine Unternehmer, sondern Väter, die eine Idee hatten und diese verwirklichen wollten. Was waren die Herausforderungen für euch?
Jochem: Wir hatten keine Erfahrung in der Kosmetikbranche. Also haben wir uns alles selbst erarbeitet: von der Produktentwicklung bis zur Auswahl der Inhaltsstoffe. Wir haben mit Dermatolog:innen gesprochen, Familien interviewt, Lieferant:innen besucht, Muster getestet und Fehler gemacht. Viele Fehler. Aber jeder davon hat uns weitergebracht.
Sjoerd: Es war eine Zeit voller Unsicherheit. Vatersein und Unternehmensgründung haben erstaunlich viel gemeinsam. Du weißt nie, was als Nächstes passiert, aber du lernst, mit Unsicherheit umzugehen. Wir hatten kein großes Team, keine Investoren. Oft saßen wir abends, wenn die Kinder endlich schliefen, am Küchentisch und haben an Strategien gefeilt. Tagsüber haben wir Proben getestet oder versucht, mit Herstellern ins Gespräch zu kommen. Es war chaotisch, aber auch unglaublich motivierend.
Euch liegt Nachhaltigkeit am Herzen – wie beeinflusst das euer Unternehmen bzw. eure Produkte?
Sjoerd: Für uns ist Nachhaltigkeit kein Trendthema, sondern Teil unserer Identität. Sie steckt in jeder Entscheidung vom ersten Entwurf eines Produkts bis zur Art, wie wir es verschicken. Wir hinterfragen uns ständig: Geht das noch besser? Diese Haltung führt dazu, dass wir unsere Prozesse immer wieder prüfen: Was man misst, kann man auch verbessern. Deshalb erfassen wir zum Beispiel regelmäßig unseren CO₂-Ausstoß und arbeiten daran, ihn weiter zu senken.
Ein Bereich, in dem wir besonders viel bewirken konnten, ist der Verzicht auf Plastik. Neun von zehn Körperpflegeprodukten enthalten laut Studien immer noch Mikroplastik als billigen Füllstoff, das war für uns nie eine Option. Unsere Feuchttücher sind dafür ein gutes Beispiel: Statt Kunststoff bestehen sie unter anderem aus Holzfasern. Kaum jemand weiß, dass in einer herkömmlichen Packung Feuchttücher umgerechnet etwa 1,7 PET-Flaschen stecken. Und Eltern verbrauchen davon bekanntlich jede Menge. Unsere plastikfreie Alternative spart dadurch eine erhebliche Menge Müll ein.
Jochem: Aber Nachhaltigkeit hört für uns nicht beim Produkt selbst auf. Wir arbeiten ausschließlich mit Partnern zusammen, die unsere Werte teilen und sich aktiv für umweltfreundliche Prozesse einsetzen. Außerdem stehen wir in engem Austausch mit anderen Marken aus unserer Branche, um voneinander zu lernen und gemeinsam neue Standards zu setzen. Es geht uns nicht darum, perfekt zu sein, sondern ehrlich, transparent und konsequent in dem, was wir tun. Veränderung braucht Zeit, aber sie beginnt immer mit einer Entscheidung.
Wie geht ihr damit um, als Männer in einer „weiblich“ dominierten Branche tätig zu sein? Inwiefern seid ihr mit Klischees konfrontiert?
Sjoerd: Wir sind auf einige Vorurteile gestoßen. Manche fanden es seltsam, dass ausgerechnet zwei Männer eine Babypflegemarke gründen. Aber ehrlich gesagt: Wer, wenn nicht Eltern, sollte wissen, was Kinderhaut braucht? Zum Glück hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Heute ist es selbstverständlich, dass Väter aktiv Verantwortung übernehmen, auch in Bereichen, die früher eher als „typisch weiblich“ angesehen wurden.
Für uns ist das Teil unserer Haltung: Gleichberechtigung, Verantwortungsbewusstsein und Authentizität gehören genauso zur DNA von Naïf wie saubere Inhaltsstoffe.
Ihr habt eine Pflegelinie mit einem Kinder-Expertenrat entwickelt. Warum und wie lief das ab?
Sjoerd: Wir wollen weiterwachsen, aber auf unsere Weise. Ehrlich, nachhaltig, verantwortungsbewusst. Unser Ziel ist nicht, die größte Marke zu werden, sondern die mit dem größten positiven Einfluss. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die neue Naïf Kids Line, die wir gemeinsam mit einem Kinder-Expertenrat entwickelt haben.
Jochem: Kinder wissen oft besser, was sie mögen, als Erwachsene glauben. Deshalb haben wir sie für die Kids-Line einfach selbst gefragt, was ihnen bei Duft und Design wichtig ist. Und sie haben gezeigt, dass „Pink für Mädchen, Blau für Jungs“ längst überholt ist. Herausgekommen sind fröhliche Farben und ein süß-fruchtiger Duft, der einfach alle begeistert.
Wir sagen nicht: Du musst perfekt nachhaltig leben. Wir sagen: Fang einfach an. Jeder kleine Schritt zählt. Das ist unsere Philosophie in der Familie genauso wie im Unternehmen. Wir stellen nichts her, was wir nicht auch für unsere eigenen Kinder verwenden würden. Unsere Produkte sollen Eltern ein gutes Gefühl geben: Pflege, die man ganz naïf verwenden kann, weil man weiß, dass nur Gutes drin steckt. Daher trägt unsere Marke auch diesen Namen. Wenn uns Eltern schreiben, dass sie sich mit unseren Produkten sicher fühlen oder dass ihre Kinder sie lieben, dann wissen wir, wofür wir das alles machen. Am Ende geht es immer um Vertrauen. Und das ist das Schönste, was eine Marke bekommen kann …


Tomsich/Kinderfreunde