Nimmt Corona den Jungen die Lebensenergie?

Corona und junge Menschen: Die Pandemie drückt auf unser aller Seelenleben. Gerade Heranwachsende verkraften die Belastung weniger gut, heißt es in einer aktuellen Publikation.

Macht Corona unsere Kinder suizidgefährdet?

Kinder und Jugendliche gefährdet

Ein Blick auf unterschiedliche Altersgruppen in Deutschland zeigt, dass Heranwachsende die Belastungen weniger gut verkrafteten als Erwachsene. Junge Menschen gehören zu jenen, die häufiger Suizidabsichten äußern. Studien weisen zudem auf einen Anstieg der Suizidversuche bei Kindern und Jugendlichen hin. Niederschwellige Krisendienste und Präventionsangebote an Schulen sind für sie daher besonders wichtig, fordern Fachleute.

Erwachsene resilient

Während der Pandemie hat die psychosoziale Belastung in der Gesamtbevölkerung zugenommen. Infolgedessen befürchteten Experten bereits für 2020 einen Anstieg der Selbstmordrate. Die bisherige Datenlage bestätigt das jedoch nicht, berichten WissenschaftlerInnen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nervenheilkunde“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2022).

„Ein Großteil der Erwachsenen hat somit offensichtlich resilient auf die frühen coronabedingten Belastungen reagiert“, erklärt PD Dr. Tobias Teismann, Geschäftsführender Leiter des Zentrums für Psychotherapie (ZPT) an der Ruhr-Universität Bochum.

Corona und junge Menschen: Mädchen betroffen

Bei Kindern und Jugendlichen hingegen treten im späteren Jahresverlauf mehr Angst- und Depressionssymptome als zu Beginn der Pandemie auf. Besonders betroffen sind demnach vor allem weibliche Jugendliche.
Zudem berichteten junge Erwachsene vermehrt über Suizidgedanken wie eine Erhebung der Ruhr-Universität Bochum zeigt. Etwa 60 Prozent der befragten Studierenden geben an, unter Suizidgedanken zu leiden – im Jahr zuvor waren es lediglich 26,6 Prozent. „Die Intensität des Suizidgedanken ist jedoch, wie auch schon in den Vorjahren, gering ausgeprägt“, fügt Teismann an.

Mehr Kinder und Jugendliche in der Notaufnahme

Berichten zufolge zeigt sich in pädiatrischen Notaufnahmen in Deutschland in der Zeit des ersten Lockdowns von März bis Mai 2020 eine Zunahme an Suizidversuchen. Fachleute gehen davon aus, dass es im Frühjahr 2021 etwa dreimal so viele Suizidversuche unter Heranwachsenden gab, wie 2019. Untermauert wird dies durch Daten von 27 deutschen Kinderintensivstationen. Auch Erhebungen in den USA weisen leider in diese Richtung.

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