Kinder und COVID-19: Warum erkranken Kinder weniger schwer?

Kinder und COVID-19 sind offenbar ein eigenes Kapitel. Auch Kinder infizieren sich mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2. Das Risiko einer schweren Erkrankung ist jedoch sehr niedrig. WissenschaftlerInnen haben nun die Ursachen für dieses Phänomen herausgefunden. Erfahrt hier mehr über die aktuellen Erkenntnisse!

Kinder und COVID-19: Besseres Immunsystem

Virusabwehr bei Kindern besser

Es wird schon lange spekuliert, warum Kinder deutlich seltener schwer an COVID-19 erkranken als Erwachsene. Und das, obwohl sie demselben Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Demnach können Kinder die Infektion einfach besser kontrollieren. Doch die genauen molekularen Mechanismen dafür waren bisher nicht bekannt. „Wir wollten verstehen, warum die Virusabwehr bei Kindern offenbar so viel besser funktioniert als bei Erwachsenen“, erklärt Prof. Irina Lehmann, Leiterin der AG Molekulare Epidemiologie am BIH (Berlin Institute of Health in der Charité).

Obere Atemwege

Demzufolge ist eine starke anti-virale Immunität der Atemwege bei Kindern dafür ausschlaggebend, dass sie vor schweren Verläufen von COVID-19 geschützt sind. ExpertInnen konnten in einer Studie zeigen, dass das kindliche Immunsystem in den oberen Atemwegen wesentlich stärker aktiv ist als bei Erwachsenen. Damit sind die Kleinen besser gewappnet im Kampf gegen das Virus als wir Großen.

Immunzellen von Kindern aktiver

Der Vergleich von Zellen von Kindern und Erwachsenen zeigte ein überraschendes Ergebnis: Die Immun- und Epithelzellen der Nasenschleimhaut von gesunden Kindern waren bereits in erhöhter Alarmbereitschaft und vorbereitet für den Kampf gegen SARS-CoV-2. Infiziert SARS-CoV-2 eine Zelle, überrumpelt es normalerweise das körpereigene Frühwarnsystem. Dadurch kann sich das Virus massiv in der Zelle vermehren. In den untersuchten kindlichen Zellen hingegen wurde das Virus, sobald es in der Zelle ankommt, schnell erkannt und bekämpft.

Schützende Faktoren

Der Kinderarzt Marcus Mall, Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin an der Charité, schlussfolgert aus den Ergebnissen: „Das bringt uns ein großes Stück weiter im Verständnis darin, warum Kinder die Infektion mit SARS-CoV-2 so viel besser kontrollieren können als Erwachsene.“ Natürlich diskutieren ExpertInnen bereits über die Anwendung der Ergebnisse. Irina Lehmann dazu: „Wir haben aus dieser Studie gelernt, dass es offensichtlich nicht nur Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe gibt, sondern auch schützende Faktoren. Aus dem Wissen heraus, welche Voraktivierungen hilfreich als Schutz vor bestimmten Viren sind, könnte man nun auch darüber nachdenken, eine derartige anti-Virus-Antwort bereits vor einer Infektion gezielt zu induzieren.” So würden möglicherweise Risikopatienten vor einer schweren Erkrankung geschützt.

Forschung zu Kinder und COVID-19

Ein Team aus WissenschaftlerInnen des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), der Charité –Universitätsmedizin Berlin, des Universitätsklinikums in Leipzig sowie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg war an den Untersuchungen beteiligt. Es hat mit Einzelzellanalysen an den Ursachen zum leichteren Krankheitsverlauf bei Kindern geforscht.

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