Spitalschule

Krankenhausschule: Lernen am Krankenbett

Vom Mathetest bis zum Nähunterricht unterstützt die Krankenhausschule junge PatientInnen.

Die achtjährige Sophie ist in Begleitung ihrer Mutter unterwegs ins Krankenhaus – ein Weg, den das Mädchen gut kennt. Sophie ist durch ihre Krebs-Erkrankung immer wieder zur stationären Behandlung hier. Die Therapie schlägt gut an und so ist Sophie nicht nur Patientin auf der Onkologie sondern auch Schülerin in der Krankenhausschule. Sie hat neben ihrer Zahnbürste auch ihre Lernsachen mit in der Reisetasche und ist schon gespannt, ob es diesmal auch wieder einen Schulausflug geben wird.

Ein Stück Normalität trotz Klinikaufenthalts

In der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt, doch von Betroffenen und deren Umfeld sehr geschätzt: „Heilstättenschulen“ unterstützen stationär aufgenommene Kinder dabei, dass sie den Anschluss in ihrer Schule nicht versäumen.

Unterricht im Spital: Die Heilstättenschule macht sogar Ausflüge möglich.

Unterricht im Spital: Die Heilstättenschule macht sogar Ausflüge möglich.

Wir haben die Heilstättenschule der „tirol kliniken“ in Innsbruck besucht und uns vom dortigen Schuldirektor, Andreas Waidhofer, die Besonderheiten seiner Einrichtung erklären lassen. „Wenn Kinder oder Jugendliche durch ihren Krankenhausaufenthalt nicht in die Schule gehen können, kommen wir mit der Schule zu ihnen“, sagt Waidhofer und betont: „Aber nur, sofern es der Gesundheitszustand der jungen Patienten zulässt.“

Doch nicht allein ums Lernen geht es, weitere Vorteile sind greifbar: Die vertraute schulische Alltagsroutine kann zudem von der oft befremdlichen Krankenhausatmosphäre ablenken und bringt so ein Stück Normalität zurück. Weniger Stress und Ängste kommen wiederum dem Heilungsprozess zu Gute.

Lehrstoff abgestimmt auf den Gesundheitszustand des Kindes

Unterrichtet wird hier von der ersten bis zur neunten Schulstufe, egal welche Schulsparte. Dabei arbeiten die Pädagogen im multiprofessionellen Team eng mit Ärzten, Pflegern oder Therapeuten zusammen. Ziel ist es, wichtige Lehrinhalte zu vermitteln. Damit das Kind nach dem Krankenhausaufenthalt in seiner Herkunftsschule nicht den Anschluss verliert. Doch dazu gehört laut Direktor Waidhofer „Mut zur Lücke“, denn der Umfang des Lehrstoffs richtet sich nach dem Gesundheitszustand des Schülers.

Da versteht es sich von selbst, dass man nicht alle Fächer, sondern oft nur die wichtigsten unterrichten kann. Und zwar so, dass die jungen Patienten nicht überfordert werden. „Wir holen die Kinder individuell dort ab, wo sie stehen“, unterstreicht der Schulleiter.

Bindeglied zur Herkunftsschule

Sein Team besteht aus zehn Pädagogen. Manche Kids sind nur wenige Wochen als Schüler in der Heilstättenschule, andere mit Unterbrechungen sogar mehrere Jahre. Die Heilstättenschule versteht sich als Bindeglied zur Herkunftsschule. Man nimmt mit dieser Kontakt auf und spricht den Unterrichtsstoff ab.

Sogar Schularbeiten und Prüfungen können im Krankenhaus absolviert werden. Das Zeugnis aber gibt es stets von der Herkunftsschule. Die Kinder treffen sich entweder in den Räumlichkeiten der Heilstättenschule oder die Lehrer kommen auf die Krankenstation.

Wenn ein Kind gar nicht mobil ist, findet der Unterricht einfach am Krankenbett statt. Dem verstärkten Bewegungsdrang von Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie wird sogar mit einem Turnunterricht in einer nahe gelegenen Schule Rechnung getragen.

Schulausflüge für kranke Kinder

Stofftier-Trösterchen für den Spitalsaufenthalt

Stofftier-Trösterchen für den Spitalsaufenthalt

Wenn es die Verfassung der Kinder erlaubt, werden Schulausflüge außerhalb der Klinik organisiert. Ein Zoo-, Ausstellungs- oder Theaterbesuch ist eine willkommene Abwechslung, ebenso beliebt sind aber auch Veranstaltungen innerhalb der Klinik, wie eine Visite des Hubschrauberlandeplatzes oder das Teddybär-Projekt, das zum Ehrenamtlichen-Engagement des Vereins „Klinikbrücke“ gehört.

Dem „Teddybär-Onkel“ und Schneidermeister Alois ist kaum ein Wunsch der Kinder zu ausgefallen oder zu groß, um ihn nicht Wirklichkeit werden zu lassen. Bis zu seiner Pensionierung war er Kostümbildner u.a. bei den Vereinigten Bühnen und den Bundestheater Wien. Nachdem die Nachwuchs-Schneider bei ihrem Kuscheltier fleißig mitgeholfen haben, dürfen sie es selbstverständlich behalten.

Erfreulich ist immer, wenn die Kinder wieder soweit genesen sind, dass sie die Klinik und somit die Schule im Krankenhaus verlassen können. Doch manchmal hilft die Heilstättenschule auch in der Zeit „danach“, berichtet der Direktor – etwa, wenn es darum geht eine passende Weiterbetreuung zu finden, wie Hausunterricht, eine neue Schule oder eine Lehrstelle.

 

Lernen im Spital: Die Heilstättenschule macht es möglich.

 

  • Allgemeines über die Heilstättenschulen findet Ihr unter: pubshop.bmbf.gv.at/download.aspx?id=389
  • Weitere Infos pro Bundesland bzw. Spital im Internet.

 

Fotos: © beigestellt; großes Bild: pixabay.com

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