Rheuma – auch Kinder leiden darunter

Wie erkenne ich, ob mein Kind von Rheuma betroffen ist und was kann ich tun? Hier erfahrt Ihr alles Wissenswerte rund um kindliches Rheuma und worauf Ihr als Eltern achten könnt …

Fast jeder denkt bei Rheumakranken an ältere Patienten. Die wenigsten wissen, dass auch Kinder zu den Leidtragenden gehören. In Österreich ist eines von 1.000 Kindern von kindlichem Rheuma betroffen. Jährlich kommt bei acht bis zehn von 100.000 Kindern eine Neuerkrankung hinzu.

Die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten und ein normales Wachstum sind Ziele der Rheuma-Therapie.

Eine chronische Krankheit: Kindliches Rheuma

Kindliches Rheuma ist nicht etwa eine Spielart des „Erwachsenen-Rheuma“, die noch nicht ausgereift ist, sondern eine eigene Form der chronischen Erkrankung, erklärt uns Karin Formanek von der Wiener Selbsthilfegruppe „Rheumalis“. Rund 1.600 Kinder und Jugendliche in Österreich leiden an der so genannten juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA). Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der sich die Abwehrkräfte gegen den eigenen Körper richten und Entzündungen entstehen lassen. Da im Kindesalter aus diversen Gründen Gelenksschmerzen auftreten können, ist die Diagnose oft dementsprechend schwierig.

Geschwollene Gelenke und Bewegungseinschränkungen sind typische Symptome, Schmerzen lebenslange Begleiter. Es können eine unterschiedliche Anzahl von Gelenken sowie weitere Organe des Körpers betroffen sein. Auch der Verlauf der Erkrankung variiert. Bei einem Drittel der betroffenen Kinder besteht die Möglichkeit, dass das Leiden nach der Pubertät verschwindet.

Oft verschwindet nach der Pubertät die Krankheit.

Je früher Rheuma erkannt wird, desto besser

Die Therapie richtet sich nach der Diagnose, dem Alter des Kindes und der Ausprägung der Erkrankung. Ziel ist es, den Krankheitsverlauf zu bremsen, die Funktionsfähigkeit bzw. die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten sowie ein normales Wachstum zu ermöglichen. Je früher eine JIA erkannt und therapiert wird, desto größer der Behandlungserfolg.

JIA - Worauf Eltern achten können:

• geschwollene, schmerzhafte Gelenke

• Überwärmung einzelner Gelenke

• Schonhaltungen, Hinken

• Vermeiden von bestimmten Bewegungen, das Kind greift z.B. mit einer Hand nicht mehr

• Kind hat keine Lust auf Bewegung

• steife Gelenke am Morgen

• Kleinere wollen getragen werden, obwohl sie laufen können

• oft kommen Allgemeinsymptome dazu, wie: Müdigkeit, Abgeschlagenheit

Aktuelle Zahlen vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum zeigen: Menschen mit Rheuma, die bereits als Kind unter der Erkrankung litten, geht es umso besser, je früher sie wirksam medikamentös behandelt wurden. Sie haben seltener massive Gelenkschäden und Begleiterkrankungen wie Osteoporose oder Kleinwuchs und erreichen häufiger die sogenannte therapiefreie Remission, sind also mit großer Wahrscheinlichkeit geheilt.

Besonders auf kleine Kinder schauen

Im Durchschnitt dauert es jedoch vier Monate, bis ein Kind mit der Erkrankung bei einem Rheumatologen vorstellig wird. „Innerhalb von Monaten kann es bereits zu nicht umkehrbaren Schädigungen an den Gelenken kommen“, warnt Professor Dr. med. Kirsten Minden, Kinderrheumatologin an der Universitäts-Kinderklinik, Charité, Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) und Leiterin der AG Kinder- und Jugendrheumatologie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) in Berlin. Besonders in der frühen Erkrankungsphase ist Rheuma schwer zu erkennen.

Besonders die Kleinen können Schmerzen noch nicht benennen.

„Vor allem kleine Kinder benennen in der Regel keine Schmerzen. Sie nehmen eine Schonhaltung ein oder vermeiden bestimmte Bewegungen“, so die Expertin. Darauf sollten Eltern achten. Auch wenn Gelenke, häufig sind hier die Knie betroffen, ohne Anlass geschwollen sind oder das Kind einen humpelnden Gang hat, sollten die Eltern schnell reagieren und den Kinderarzt aufsuchen. Er hilft dabei, die Symptome einzuordnen und überweist, wenn nötig, an den Kinderrheumatologen.

Selbsthilfe

Der Verein RHEUMALIS bietet erkrankten Kindern und ihren Familien ein umfassendes Informationsangebot sowie den Austausch mit anderen Betroffenen. Zum Weltrheumatag am 12. Oktober hat Rheumalis Wünsche und Bedürfnisse von jungen Patienten in mehrere Kurzfilme gepackt: hier klicken und in der Mediathek stöbern.

Kontakt: Rheumalis, Pilzgasse 14/2/7, 1210 Wien, +43 699 1974 8811, office@rheumalis.org



Foto©: pexels.com, pixabay.com

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