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Macht Belastung durch die Schule krank?

Studie belegt Zusammenhang mit psychosomatischen Beschwerden

Die Mathe-Schularbeit steht an. Wie so oft jammert Valentina in letzter Zeit über Kopfschmerzen und vermutlich wird sie deshalb wieder mit dem Lernpensum nicht durchkommen. Es ist ungewiss, ob sie das Schuljahr nicht wiederholen muss, da es auch in anderen Fächern nicht gut läuft. Es stellt sich nun für uns die Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schulzufriedenheit und Gesundheit?

Belastung

Belastung schlägt sich auf die Gesundheit.

Überforderte Kinder haben öfter Beschwerden

Eine Studie, erschienen in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“, ist dieser Problematik nachgegangen. Die Experten sind zu folgendem Ergebnis gekommen: „Fühlen sich Schüler den Anforderungen im Unterricht nicht gewachsen oder erfahren sie wenig Unterstützung durch Mitschüler und Lehrer, leiden sie häufiger unter psychosomatischen Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen oder Schlafproblemen“.

Ob sich ein Kind in der Schule wohl fühlt, hängt von vielen Faktoren ab: Neben den individuellen Kontakten zu Mitschülern spielen auch die fachlichen Anforderungen, das Lernklima und die Unterrichtsqualität eine Rolle. Diese Aspekte werden im Rahmen des Nationalen Bildungspanels (NEPS) in umfangreichen Fragebögen erfasst. Diese Daten haben die Experten ausgewertet und zudem weitere Aspekte des Klassenklimas und des schulischen Wohlbefindens untersucht.

Kinder

Kinder, die sich in der Schule wohl fühlen sind, fehlen seltener.

Je höher die Belastung, desto mehr Krankenstände

Insgesamt 7.300 Siebtklässler aller Regelschularten wurden für die Studie unter die Lupe genommen. Auch Angaben zur Gesundheit wurden dabei miteinbezogen. „Im Unterschied zu vielen anderen Untersuchungen fragt das NEPS auch nach eher objektiven Gesundheitsindikatoren wie der Zahl der krankheitsbedingten Fehltage“, erklärt die Soziologin und Gesundheitswissenschaftlerin, Professor Dr. Katharina Rathmann, von der Fakultät Rehabilitationswissenschaften der TU Dortmund und dem Fachbereich Pflege und Gesundheit an der Hochschule Fulda.

Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Krankenständen und Schulzufriedenheit: Die Zahl der Kinder, die wegen Krankheit gefehlt hatten, war dabei umso höher, je unzufriedener sie mit ihrer Schulsituation im Ganzen waren. Die auf Krankheiten zurückgehenden Fehltage variierten zudem signifikant zwischen den Schulformen: Haupt- und Realschüler sowie Schüler anderer Schulformen fehlten krankheitsbedingt häufiger als Gymnasiasten.

Kein Erfolg trotz Anstrengung

„Möglicherweise erfahren Schüler, die eine andere Schulform als das Gymnasium besuchen, weniger Unterstützung durch Lehrpersonen und sind zudem häufiger mit einem lernabträglicheren Klassenklima konfrontiert“, so die Überlegung der Wissenschaftler. Das Empfinden der Kinder, den Anforderungen in den Fächern Deutsch und Mathematik nicht gewachsen zu sein, hatte ebenfalls Auswirkungen: „Das Gefühl, trotz großer Anstrengung in diesen Fächern erfolglos zu bleiben, war mit einer schlechteren Gesundheitseinschätzung und einer höheren Zahl von Fehltagen assoziiert“, sagt Rathmann.

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„Lernorientierung“ überfordert offenbar schwächere Schüler.

Allerdings ist hier – wie auch bei den anderen Faktoren – die Ursache noch ungeklärt. Immerhin könnten die vielen Fehltage der Grund für den fachlichen Rückstand sein. Dadurch könnte dann erst das Gefühl der Hilflosigkeit entstehen. Das Klassenklima scheint dagegen keine gesundheitsrelevanten Auswirkungen zu haben.

„Lernorientierung“ als Belastung?

Die einzige Ausnahme ist die sogenannte „Lernorientierung“: Dabei gibt der Lehrer vor jeder Stunde einen Überblick über die relevanten Unterrichtsinhalte und fasst diese auch am Ende des Unterrichts noch einmal zusammen. Auch stellt er das bearbeitete Thema in den größeren Kontext der vorangegangenen und nachfolgenden Themen.

Dieser für sich genommen positive Aspekt der Unterrichtsgestaltung erwies sich in der Auswertung jedoch als kontraproduktiv. Schüler, die ihrem (Deutsch-)Lehrer eine solche Lernorientierung bescheinigten, schätzten ihre eigene Gesundheit schlechter ein und fehlten auch häufiger. Die Unterrichtsinhalte besonders zu betonen, ist demnach womöglich gerade für schwächere Schüler belastend, mutmaßen die Forscher.

Schulisches Wohlbefinden fördern

Die Ergebnisse der Auswertung unterstreichen, wie sehr schulisches Wohlbefinden mit der subjektiven Einschätzung der eigenen Gesundheit und krankheitsbedingten Fehltagen verknüpft ist. Maßnahmen der Gesundheitsförderung sollten daher diesen Aspekt in den Fokus rücken. Das sei vor allem bei Schülern notwendig, die nicht das Gymnasium, sondern eine andere Schulform besuchen, betonen die Studien-Experten.

 

 Literatur: Das Gesundheitswesen 2018, online erschienen, Georg Thieme Verlag, Stuttgart.

 

 

Foto ©: pixabay.com

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