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Kinder bestrafen – muss das sein?

Geht es ohne wirklich nicht? Heike Podek, Familien-Coach, über das Erziehungsmittel Strafe.

Die „g’sunde Watsch’n“ als Strafe wird immer wieder heiß diskutiert. Dazu muss man wissen: 1989 wurde das „absolute Gewaltverbot“ in der Erziehung in die Verfassung aufgenommen. Und trotzdem: Viele Kinder werden heute noch mit Ohrfeigen bestraft. Noch verbreiteter aber sind Strafen in Form von Liebesentzug und Verboten. Kinder müssen in ihr Zimmer gehen, dürfen nicht Fernsehen, etc.

Beliebter Spruch der Eltern: „Wenn Du nicht … dann …“ Diese „logischen“ Konsequenzen sind für Familienschatz-Coach in Erziehungsfragen, Mag. Heike Podek, aber nichts anderes als Strafen. Denn: „Auch bei logischen Konsequenzen missbrauchen Eltern ihre Macht und üben Kontrolle aus auf eine Art und Weise, die ihren Kindern Angst macht.“ (Mag. Heike Podek hat auf familienschatz.at auch über Umgang mit Ängsten  und Handy-Sucht berichtet).

Erziehungscoach Dipl.Päd. (univ.) Heike Podek

Erziehungscoach Mag. Heike Podek

Warum Strafen verletzen

Strafen verletzten unsere Kinder und zerstören unsere Beziehung zu ihnen. Anstatt Vertrauen zu seinen engsten Bindungspersonen haben, erlebt es Angst und fühlt sich ungeliebt. Strafen sind aus folgenden Gründen problematisch:

  • Eltern sind Vorbilder: Wenn Du Deinem Kind vorlebst, dass sich durch das Einsetzen von Strafen und damit verbundener Macht Konflikte austragen lassen, wird es dieses Verhalten nachahmen. Es wird versuchen, Probleme auf unangemessene Art zu lösen.
  • Mangelnde Wirkung: Ab 5 Jahren wird es schwierig, „Strafen“ zu finden, die Kindern „ausreichend“ Angst machen. Die erwünschte Wirkung bleibt aus. Das ist neben wissenschaftlichen Studien auch die häufigste Erkenntnis von Eltern selbst – den Kindern wird es „egal“, wenn sie eine Konsequenz erhalten. Darüber hinaus verringert der Einsatz von Strafen die Wahrscheinlichkeit massiv, dass Kinder darüber nachdenken, welche Auswirkungen ihr Verhalten auf andere Menschen hat, da sie viel zu sehr mit ihrer Traurigkeit und Wut über die Strafe beschäftigt sind. Und genau das ist es ja, was wir uns wünschen: eine Einsicht und ein „daraus lernen“, was leider durch Strafen kaum erfolgen kann.
  •  Eltern-Kind-Beziehung: Diese wird durch Bestrafen massiv gestört. Kinder sollten für eine gesunde Entwicklung Vertrauen zu Eltern haben, sich sicher fühlen. Durch den Einsatz von dieser Art von Macht erleben Kinder ihre Eltern eher als Menschen, denen man aus dem Weg gehen sollte.

Lob als Anreiz: problematisch!

Warum also nicht einfach den Spieß umdrehen und positives Verhalten verstärken, sprich belohnen, anstatt Negatives zu bestrafen? Auch diese Erziehungsmaßnahme hat ihre Tücken, wie Podek betont: „Beim Loben werden von den Nervenzellen im Belohnungszentrum des Gehirns das Glückshormon Dopamin, sowie körpereigene Opiate und Oxytocin ausgeschüttet – diese sorgen für Entspannung, Glücksgefühle und Lebensfreude  Aber: sie machen auch „süchtig“!

Lob als Anreiz macht glücklich – aber nur kurzfristig!

Lob als Anreiz macht glücklich – aber nur kurzfristig!

Die Folgen sind: Kinder verlieren den Spaß an vielen Dingen und tun diese nur noch, um mehr Süßigkeiten, Sternchen oder Aufmerksamkeit zu bekommen. Und weil das Gehirn eine Sättigung erreicht, wollen sie auch hier immer mehr, und das bringt Eltern oft in verzwickte Lagen, denn auch wenn sich z.B. die Pickerl oder die Zeitschrift, die sie als Belohungn bekommen, noch steigern lässt, wird es bei einem größeren Ausflug als Anreiz immer schwerer, etwas noch Attraktiveres zu finden.“

Auch übermäßiges, der Situation nicht entsprechendes Lob schafft ein Machtgefälle zwischen Eltern und Kindern. Denn Mama / Papa entscheiden, was lobenswert ist – und das stellt weder Vertrauen noch Nähe her. Die letzte Konsequenz ist „Zuckerbrot und Peitsche“, denn wenn Lob nicht mehr funktioniert, folgt doch wieder die Bestrafung.

Letztlich verlangt ein solches System logischerweise irgendwann dann doch nach Bestrafung, nämlich genau dann, wenn Belohnung nicht länger funktioniert – und führt dann zu einer „Zuckerbrot – und – Peitsche – Methode“.

3 Tipps für Eltern …

… wie sie mit unerwünschtem Verhalten umgehen können, ohne die Beziehung zu ihrem Kind zu belasten:

  1. Überlegte Führung: Wird mir das Kind ohne Strafe oder Lob also auf der Nase herumtanzen? Keineswegs, so Podek: „Kinder brauchen Eltern, die stark sind und die sie führen und liebevoll und kindgerecht anleiten. Dafür ist es wichtig, sich als Eltern Zeit zu nehmen und zu überlegen: Was will ich und was will ich nicht? Was sind meine persönlichen Werte, Ziele und Grenzen? Diese müssen den Kindern dann natürlich auch klar mitgeteilt werden. Und natürlich darf auch die andere Seite nicht zu kurz kommen. Es gilt also ebenso herauszufinden: Was will mein Kind, was mag es und was mag es nicht? um es angemessen und kindgerecht begleiten zu können.“
  2. Vertrauen und Empathie: Grundsätzlich wollen Kinder mit Eltern zusammenarbeiten. Manchmal aber haben sie Gründe, dass sie etwas gerade nicht tun wollen. Da geht es z.B. darum, dass das Kind noch etwas fertig machen möchte, bevor es sich anzieht, um in den Kindergarten zu fahren oder noch mit etwas anderem beschäftigt ist, bevor es aufräumt. Hinterfrage also die Gründe Deines Kindes! Oft lassen sich Situationen so entschärfen. Bei Kindern ab etwa 5 Jahren kann man allmählich beginnen, die Empathie, also das Einfühlungsvermögen zu aktivieren und zu stärken. In einem früheren Alter ist das Gehirn noch nicht so weit entwickelt, dass sich das Kind ausreichend in sein Gegenüber einfühlen kann. Anstatt zu strafen ist also viel hilfreicher, ihr Kind dabei zu unterstützen die Konfliktsituation aus Sicht des anderen zu sehen und sich zu überlegen, wie es diesem wohl geht. Auf diese Weise entsteht Mitgefühl und das Kind wird sein Verhalten ändern, weil es versteht, nicht weil es Angst hat und entwickelt dabei gleichzeitig moralische Grundwerte.
  3. Eltern-Kind-Gespräch auf Augenhöhe: In Konflikt-Situationen fühlen wir Eltern uns oft ohnmächtig. Wir spielen dann unsere Machtposition aus und wollen unsere Kinder regulieren. Zielführender: Sprich mit Deinem Kind von klein auf und erkläre klar und deutlich Deine Gefühle und Sichtweise und lass umgekehrt auch Dein Kind Stellung zu seiner Sicht der Dinge nehmen. Dann sucht gemeinsam eine Lösung. Versprochen, Kinder wollen mit und nicht gegen uns arbeiten!

 

 

Familien-Coach als Ratgeber bei verschiedensten Erziehungsfragen

Mag. Heike Podek

Beziehungsorientierter Coach für Eltern und Kinder in schwierigen Phasen

Tel.: 0676/790 58 37

office@beziehungsorientiert.at

www.beziehungsorientiert.at

Fotos:pixabay.com

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