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Eine drohende Extremfrühgeburt

Ungefähr jedes zehnte Kind kommt weltweit zu früh zur Welt. Und das unabhängig von seinem Geburtsland, der gesellschaftlichen Schicht in die das Kind hineingeboren wird, oder der zur Verfügung stehenden medizinischen Versorgung. Die Tendenz ist steigend, was auch mit dem höheren Alter von Müttern und der Zunahme von Mehrlingsschwangerschaften in Zusammenhang gebracht wird.

Was passiert mit mir, uns? Generell gibt es aber zahlreiche, ganz unterschiedliche Gründe, die zu einer Frühgeburt führen können. Häufig lösen aufsteigende Infekte Frühgeburtsbestrebungen aus, andere mögliche Diagnosen sind beispielsweise eine Plazentainsuffizienz, eine Gestose, vorzeitige Wehen, oder eine Muttermundschwäche bzw. eine Kombination aus verschiedenen Faktoren.

Oft lässt sich aber auch kein bestimmter Grund finden. Manchmal muss das Kind vorzeitig geholt werden, weil es im Mutterbauch in Gefahr ist, manchmal versucht man seine Geburt hinauszuzögern, aber es gelingt nicht, weil der Körper die Schwangerschaft beenden will.

Unterschieden wird außerdem zwischen:

  • normalen Frühgeborenen, die nach der 32 Wochen zur Welt kommen
  • sehr kleinen Frühgeborenen, die vor der 32. Woche und in der Regel mit weniger als 1.500 Gramm geboren werden
  • und extrem kleinen Frühgeborenen, die früher als zur 28. Woche geboren werden und meist weniger als ein Kilogramm wiegen.

„Mein Sohn war ein extremes Frühchen“

Heidi Siller, die über ihre eignene Erlebnisse zum Thema Extremfrühgeburt sogar ein Buch geschrieben hat (das ihr hier gewinnen könnt!), erzählt:

„Mein Sohn war ein extremes Frühchen und weshalb es zu seiner Frühgeburt gekommen ist, ist nicht restlos geklärt. Ein stressiger Tag, der eine anstrengende Fahrt in den Urlaub und einen Taschendiebstahl beinhaltete, war möglicherweise der unmittelbare Auslöser.

Doch kann das alleine Wehen auslösen, und dabei den Muttermund so weit öffnen, dass die Fruchtblase prolabiert und das Fortbestehen der Schwangerschaft unwahrscheinlich machen?

Am Urlaubsort ins Spital

Tatsache ist, dass ich einige Tage später, aufgrund von Blutungen, an meinem Urlaubsort Brixen in Südtirol, ins Spital zur Untersuchung gebracht wurde, und dann sofort in das Perinatal Zentrum von Bozen verlegt wurde. Versorgt mit der ersten von zwei möglichen Lungenreifungsspritzen.

Solche Spritzen werden bis ungefähr der 35. Schwangerschaftswoche verabreicht, weil sie die Lungenentwicklung des ungeborenen Kindes beschleunigen, und das Atemnotsyndrom nach einer Frühgeburt lindern sollten.

Außerdem musste ich strenge Bettruhe einhalten, bekam Antibiotika-Infusionen, hoch dosiertes Magnesium zum Einnehmen, und eine Thrombose-Prophylaxe. Zusätzlich wurden mir Tokolytika verabreicht, das sind Infusionen, die Wehen hemmen sollen.

Quälende Ungewissheit

Eine Zeit des Liegens und Abwartens, eine Zeit der quälenden Ungewissheit. Dazu die Information, dass sich mein Kind an der Grenze der Lebensfähigkeit befindet. Diese Information ließ mich fast den Verstand verlieren, so verzweifelt und traurig machte sie mich, so hilflos. Alles kam so unerwartet, die Schwangerschaft war bis zu diesem Zeitpunkt komplikationslos verlaufen.

Das Leben zog nur noch an mir vorbei, während die Minuten endlos dahinschlichen: Sonntag ist der schlimmste Tag der Woche, der nur noch schlimmer wird, wenn man im Krankenhaus liegt. Unzählige Familien kamen auf Besuch, um neue Babys willkommen zu heißen, mit blauen und rosaroten Luftballons, Geschenken und Blumen.

Alle waren aufgeregt und freuten sich, die größeren Geschwister, die Cousins und Cousinen. Manchmal verirrte sich ein kleines Kind in unser Zimmer, schaute sich neugierig um, warum es hier nicht so beschwingt zuging, bis es vom Vater oder Onkel gerufen wurde. Kleine Italiener in modischen Hemden und Pullundern. Die Mädchen in Cordröcken und Ringelstrümpfen. Sie machten so viel fröhlichen Lärm, der gemeinsam mit der stickigen Luft, die zum Fenster herein kam, kaum zu ertragen war.

Geburt in der 26. Woche

An diesem Sonntagnachmittag wusste ich noch nicht, dass meine Schwangerschaft in weniger als zwei Tagen vorbei sein würde, in der 26. Schwangerschaftswoche, genauer gesagt bei 25 Wochen plus 4 Tagen. Da kam dann nämlich mein Sohn spontan zur Welt – trotz aller Versuche, das zu verhindern.

Wie es mit ihm weiterging und wie er im Spital versorgt wurde, erzähle ich beim nächsten Mal.

 

Foto: pixabay

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