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Terrorangst und Schreckensbilder

Dürfen Kinder über Terror, Anschläge und Kriegsschrecken Bescheid wissen? Wie viel und was sollen Eltern ihren Kindern über die Probleme der Gegenwart wie Flüchtlingskrise, wirtschaftliche Turbulenzen etc. sagen?  Und was tun, damit die Kinder keine Angst bekommen?

Dipl.Päd. Heike Podek, Coach in Erziehungsfragen, weiß aus Erfahrung: “Der erste Reflex von Eltern angesichts der Schreckensmeldungen in den Medien ist: Diese Bilder soll mein Kind nicht sehen müssen. Man will sein Kind möglichst vor Katastrophen, Tod, der Grausamkeit von Krieg, Terror und Hass beschützen. Eigentlich will man gar nicht darüber sprechen, weil man sich selbst fürchtet, keinen Rat und keine gültige Antwort hat.“

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Aber Kinder sind nicht abzuschotten, sie bekommen die Informationen aus den Medien mit, schnappen Gesprächsletzten auf und reden mit anderen Kindern, die vielleicht mehr wissen als sie und nicht immer das Richtige.

Was geht nun in den Kindern angesichts der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen und Veränderungen vor? Je nach Alter reagieren die Kinder unterschiedlich (und auch die Empathie ist jeweils eine andere):

  • Vorschulkinder von 3 bis 6: sind sehr emotional, sie entwickeln rasch große und teilweise irrationale Ängste, weil sie Fantasie und Realität noch nicht trennen können. Sie sorgen sich, dass ihnen und ihrer Familie etwas Ähnliches zustoßen könnten. Sie haben oft Angst, von ihren Eltern getrennt zu werden oder diese zu verlieren.
  • Schulkinder interessieren sich für die Gründe für die Taten, die Katastrophen oder die Situationen. Sie machen sich Gedanken über tatsächliche und mögliche Folgen. Sie wollen  wissen, was weiter passiert, ob oder wie Täter bestraft werden, was mit den Opfern passiert und welche Auswirkungen das alles auf ihr eigenes Leben hat.
  • Ab der Pubertät liegt der Fokus des Interesses auf der Gruppenzugehörigkeit statt auf dem Individuum. Die Jugendlichen wollen dem Gesamtzusammenhang auf den Grund gehen und die Konsequenzen für ihr eigenes Leben erforschen. Sie interessieren sich für politische und ethische Fragen und fordern ihre Eltern zu klaren Positionen zu den Ereignissen auf.

Wie unterstütze ich mein Kind, damit es keine Ängste aufbaut?

Erziehungscoach Dipl.Päd. (univ.) Heike Podek

Erziehungscoach Dipl.Päd. Heike Podek

  1. Beantworte Fragen Deines Kindes einfach und ehrlich: Ich empfehle Kindern nur auf das zu antworten, was sie wirklich wissen wollen. Wenn wir ihnen darüber hinaus Informationen anbieten, kann es leicht passieren, dass wir sie damit überfordern. Beim Beantworten der Fragen Deines Kindes verwende einfache Worte und Begriffe, die Dein Kind verstehen kann und achte drauf, dass Deine Erklärungen alters- und entwicklungsgemäß sind.
  2. Nicht behaupten, alles sei in Ordnung. „Du brauchst keine Angst zu haben“ ist eine Beschwichtigung, die Skepsis beim Kind weckt und den Eindruck erzeugt, dass Mama oder Papa etwas verschweigen – das vielleicht noch viel Schlimmer ist, als das Kind denkt. Sag also ruhig, dass du im Moment auch unsicher bist und keinen Rat weißt, dass hier bei uns aber Polizei und andere Behörden für unsere Sicherheit zuständig sind und alles dafür tun, um hierzulande Terroranschläge o.ä. zu vermeiden. Weiters kannst Du älteren Kindern auch sagen: „Ich werde mich informieren, was wir tun können. Denn ich weiß, dass es Menschen gibt, die helfen.“ (Über Kinderschutz lest Ihr hier.)
  3. Kindernachrichten: Wenn Du Dir selbst unsicher bist, wie genau Du Deinen Kindern erklären sollst, was da gerade passiert oder Du Sorge hast, nicht die richtigen Worte zu finden, höre oder schaue mit den Kindern gemeinsam Kindernachrichten an. Im Internet findest Du zahlreiche Seiten, die die komplizierten Nachrichten auf verständliche und kindgerechte Weise für Kinder unterschiedlichen Alters erklären. Z.B.: www.blinde-kuh.de/aktuell
  4. Die eigenen Sorgen und Ängste nicht übertragen: Viele Eltern versuchen ihren Kindern gegenüber stark zu sein und so zu tun, als hätten sie alles im Griff. Dahinter steht die gute Absicht, das eigene Kind schützen zu wollen. Da Kinder aber sehr feine Antennen haben und spüren, wenn die Eltern sich Sorgen machen, verunsichert sind oder eigene Ängste haben, ist es ratsamer, Deinem Kind Deine eigenen Gefühle einfach mitzuteilen. Es ist ganz normal für sie wenn sie begreifen dass Du hinsichtlich bestimmter Entwicklungen besorgt bist. Jedoch solltest Du es unbedingt vermeiden, Deine Kinder mit Deinen Bedenken zu belasten, denn das würde sie massiv überfordern und folglich in ihrer Entwicklung beeinträchtigen. Wenn Du spürst, dass Deine Ängste und Verunsicherungen sehr stark sind, sprich mit anderen Erwachsenen wie z.B. Deinem Partner/Deiner Partnerin oder Freunden darüber. Sobald Du merkst, dass sich deine Sorgen dennoch auf Dein Kind übertragen, macht es Sinn, Dir professionelle Unterstützung in Form von Beratung, Coaching oder Therapie zu holen.
  5. Zeige Toleranz: Die Vorbildwirkung von Eltern ist enorm – auch wenn sie Kommentare über Menschenbilder hinsichtlich Rasse, Nationalität und Religion äußern. Kinder erkennen zwar die Unterschiede zwischen Menschen, bewerten diese aber noch nicht. Und das ist auch gut so – für ihre eigene und unsere gesellschaftliche Entwicklung. Darin sollten wir sie nicht beeinflussen, sondern lieber Toleranz vorleben.

 

Familien-Coach als Ratgeber bei verschiedensten Erziehungsfragen

 

Dipl.Päd. Heike Podek

Beziehungsorientierter Coach für Eltern und Kinder in schwierigen Phasen

Tel.: 0676/790 58 37

office@beziehungsorientiert.at

www.beziehungsorientiert.at

 

Fotos: Pixabay.com, beigestellt

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